Anreise und Ankunft

Der Wind peitscht mir ins Gesicht als ich aus dem Flugzeug steige. Am kleinen Flughafen von Chios werde ich abgeholt. Nach der warmen Begrüssung fahren wir zusammen durch die schmalen Gassen zu meinem Studio. In der Dunkelheit ist es schwierig sich auf der hügeligen, steinigen Insel sich zu orientieren, da die Verkehrsschilder kaum sichtbar und die Strassen nur selten beleuchtet sind. Erst am nächsten Tag konnte ich mir im Sonnenlicht ein Bild von meiner Umgebung machen. Mein Studio befindet sich in Karfas, am Hang mit dementsprechenden Blick aufs Meer, wo man in naher Entfernung die Küste der Türkei erkennen kann. „Ja, man hat das Ziel vor Augen.“ war die Antwort von der Freiwilligen, die mich abgeholt hat, als ich sie fragte ob die Lichter am Horizont aus der Türkei stammten. Sie bezog sich dabei auf die Flüchtlingsboote, welche diesen Kanal überqueren. Ich wusste bereits, dass die Distanz nicht gross ist, dennoch überraschte es mich, als ich sie mit meinen eigenen Augen sah.

Der Vermieter des Studios erwartete mich bereits. Ein herzlicher, älterer Grieche, zeigte mir mein neues Zuhause für die nächsten 77 Tage. Ein bescheidenes Zimmer mit Kochnische, und einer kleinen Terrasse, auf welcher der Wind sein Lied singt. Grundsätzlich stört mich Wind nicht, doch an diesem Abend schlug er so stark um die knapp isolierten Gebäude, dass eslaut um das Studio heulte und mir die Wände wie aus Karton vorkamen. Glücklicherweise habe ich daran gedacht, Ohrenstöpsel einzupacken. Müde von der Reise, richtete ich mich schnell ein und ging dann zu Bett, mit dem Plan am darauffolgenden Tag, die Gegend zu erkundschaften. In einem unruhigen, traumlosen Schlaf ging die erste Nacht vorüber.